Der Haken an der Geschichte…
…mit dem hat alles angefangen.
Aber von vorne. Bekanntermaßen lebe ich in der schönsten
Stadt der Welt, in München. Und ich Glückskind wohne auch noch im besten aller
Stadteile, in Neuhausen. Damit nicht genug, denn da auch noch in DEM Haus. Bei uns ist gestern übrigens nicht die
Welt untergegangen. Was ist Bugarach?! Ha! Abgesehen davon dass es ein sehr
schönes Haus ist, haben wir eine sensationelle Hausgemeinschaft. Ca. 10
Parteien allen Alters von 0 - 80, die sich wunderbar verstehen.
Da wird selbstverständlich
mit Butter, Reis, Tischen, Tellern, Backformen und Akkuschraubern ausgeholfen.
Wir treffen uns regelmäßig in größeren und kleineren Runden auf ein Glas Wein oder
zum Essen. Töpfe und Platten werden durch das Treppenhaus getragen, die Männer
holen einen Kasten Bier vom Getränkehändler, die Mädels Wein aus dem Keller.
Und am Ende landen wir dann meistens auf einen Absacker bei Nachbarin C. in der
Küche. Und dann gibt es noch sie, DIE Hausmeisterin. Frau S.
Frau S. ist so wie man sich eine Münchner Hausmeisterin
vorstellt. Kennt jeden, weiß alles, putzt gefühlt jeden Tag das Treppenhaus, kümmert
sich im Urlaub um die Pflanzen, beaufsichtigt Handwerker, nimmt Pakete an und
ist nie um einen Ratsch verlegen. Und ihr entgeht nichts, aber auch G A R - N I C H T S. Da wird man
durchaus mal harsch zurecht gewiesen, wenn das Fahrrad wegen einem Platten mehrere
Tage unrepariert und damit unbewegt vor dem Haus steht oder man eine als unangemessen
empfundene Menge Kartonagen in der Altpapiertonne entsorgt.
Seit über 50 Jahren ist sie jetzt schon in diesem Haus, man
kann eigentlich sagen sie ist das Haus. Und den Winter mag sie gar nicht. Da ist
nix los, die Leute huschen nur schnell durch’s Treppenhaus, im Vorgarten ist es
zu kalt zum Ratschen und die Tage sind viel zu dunkel. Frau S. hat schlechte
Laune. Wehe das Fahrrad…
Zurück zum Haken der Geschichte. Den gibt es neben jeder
Wohnungstür, aber für das Anzeigen der Treppenreinigungszuständigkeit wird er ja nicht benötigt. Und so hängt zur Adventszeit an dem ein oder anderen eine
Christbaumkugel, ein Strohstern oder ein Nikolaus. Bei einem Glas Bier fällt
dann der Gedanke. Dieser Haken wäre doch ideal für einen Adventskalender! Und
wer wäre prädestinierter für so einen Kalender als Frau S.?! Nur mitbekommen
dürfte Sie natürlich nicht, wer ihr da täglich eine Kleinigkeit an den Haken
hängt. Und so werden Nummern an die einzelnen Parteien verteilt, beratschlagt,
was potenzieller Kalenderinhalt sein könnte und wann die beste Zeit ist,
unbemerkt zu behängen.
Ich hab die Nummer 1, das einfachste Türchen,
schließlich weiß Frau S. ja noch nichts von ihrem Glück. Trotzdem schleiche ich
mit einem mulmigen Gefühl spät Abends in den dritten Stock, das Licht lasse ich
vorsichtshalber aus verdammt bin ich laut! und halte die Luft an als ich das
Päckchen an die vorgesehene Stelle hänge. Nummero 2 darf Herr Toni übernehmen…
An Tag 3 muss ich um 5 Uhr aus dem Haus. Wer schaut oben aus dem Küchenfenster
des dritten Stocks? Genau! Nachbar C. berichtet, sie wartenderweise im unbeleuchteten Treppenhaus
angetroffen zu haben. Wir entscheiden uns für ein Ablenkungsmanöver und nutzen gelegentlich
den Briefkasten. Inzwischen kennen wir jede knarzenden Treppenstufe und Bodendiele
im Haus und kalkulieren auch Gegenablenkungsmanöver von Frau S. mit ein. Nur
weil das Licht in Ihrer Wohnung schon um 20 Uhr aus ist, wiegen wir uns nicht
in Sicherheit! Vor 23 Uhr keine Kalenderaktion!
Auf der Hausweihnachtsfeier beäugt sie misstrauisch einen
nach dem anderen. Wer könnte der Adventskalenderverantwortliche sein? Nachbar
G. und Herr Toni werden auf eine Zigarette nach draußen beordert. Wie Schulbuben
folgen sie. Wir übrigen atmen erleichtert auf, dass es nicht uns erwischt hat
und drücken die Daumen. Als Frau S. leicht glühweinbeschwippst die Feier
verlässt, schauen wir alle gespannt.
Und!? Tatsächlich, Frau S. hat verhört. „Da
hängt jeden Tag a Packerl an meiner Tür!“ Nachbar G. reagiert souverän: „Bei
mir war gestern auch eins!“ Herr Toni echauffiert sich: „ Bei mir war noch nie a
Packerl!“ Die zwei erkunden sich interessiert nach den Inhalten und stellen
Vermutungen an… „Ihre Familie vielleicht?“. Nein, da hätte sie sich schon
erkundigt, die wären es nicht und sie wüssten auch nicht wer es wäre und selbst
wenn sie es wüssten, sie würden nix verraten. Frau S. ist empört. Gut dass es
an diesem Abend so kalt ist und schneit, so dauert die Zigarette nicht
lange.
Seit dem 1. Dezember
ist es jetzt gut gegangen, aber ich sag Euch, das ist eine Aktion für echte
Adrenalinjunkies! Morgen darf ich wieder ran…
Ihr fragt Euch bestimmt, was wir in Türchen 24 füllen? Dafür
wollen wir ein Foto von uns Kalenderwichteln in unserem Treppenhaus. An der
Strategie arbeiten wir noch.
Das Szenario
gleichzeitiges Betreten des
Treppenhauses zu vereinbarter Uhrzeit z.B. 20:41:25, über das Geländer schauen,
im Erdgeschoß die Kamera mit Selbstauslöser, Blitz!, 20:41:47 schweigende
Rückkehr in die jeweiligen Wohnungen. Nachbarin C., erdgeschoßbewohnend nimmt
die Kamera mit. Konspiratives Treffen kurze Zeit später. Gespannt laden wir das
Foto auf den Rechner.
Moment! Wer schaut denn da oben im 3. Stock über das Geländer?!…



Eure Hausmeisterin scheint da ja eine echte Hausmeisterinnenpersönlichkeit zu sein. Allein die Tatsache, dass sie im dritten Stock thront und nicht gleich neben der Eingangstür.;-)
AntwortenLöschenMal abgesehen davon, dass mir die Idee für einen solchen Adventskalender sehr gut gefällt. Mir gefällt auch das Treppenhaus und der Haken und die Türbeschläge.....eigentlich alles was man bisher vom Haus sehen konnte.
Aber am besten aber gefällt mir eine Hausgemeinschaft, die sowas hinkriegt und offensichtlich auch noch Spaß dran hat!
Nerven, Matthias! Vorallem die Nerven dazu ;-)
LöschenMatthiaH hat ja schon mal wieder alles gesagt.
AntwortenLöschenBleibt mir nur noch, dem ganzen Haus fröhliche Weihnachten zu wünschen!
Und bitte das Foto noch nachreichen!
Danke, Sewwi! Das Gruppenfoto ist für heute geplant. Aber da wird nicht jeder unbedingt ins Netz gestellt werden wollen. Mal sehen ob's ne verwackelte Variante gibt...
LöschenDie schönsten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst. Hat mich sofort an meine Nachbarn erinnert und unsere gemeinsamen Abende vor dem Maisfeld. Allerdings haben wir keine Hausmeisterin, wir sind ja hier schon praktisch auf dem Land.
AntwortenLöschenEs grüßt aus dem Westen der Landeshauptstadt
Martin
Grüße zurück! :D
LöschenDa guckt keiner über das Geländer am dritten Stock! Ihr seht ja schon Gespenster.
AntwortenLöschenAber so eine köstliche Idee, ob sie das aber unrechtmäßig platzierten Fahrrädern gegenüber gnädiger stimmen wird? oder eher ein "jetzt erst recht" provoziert?
Ja, solche Hausgemeinschaften sind Gold wert, die Hausmeisterinnen sowieso.
Noch nicht, susa. Das Foto machen wir ja erst noch. Aber wir haben schon gewitzelt, dass wir's nicht schaffen werden, ohne dass sie auch mit drauf ist. In Sachen Fahrräder gibt es keine Gnade. Aber sie ist die letzte Zeit richtig gut gelaunt.
LöschenWie schön....
AntwortenLöschenLg Kathie Jo
Ist es!
Löscheneine richtige Pariser Concierge. Wo wohnt ihr noch ?
AntwortenLöschenMünchen ;D
LöschenWenn es jemand verdient hat, einen Adventskalender zu bekommen, dann die reizende Frau S. ;o)
AntwortenLöschenHach, hier wollt' ich doch noch was schreiben: So eine tolle Aktion! Und ich kann richtig schön mitfiebern, wenn du erzählst, wie du mit klopfendem Herzen durchs dunkle Treppenhaus schnilchst... Bin ja schwer gespannt, ob ihr die Sache bis zum Schluss im Geheimen durchziehen könnt. Updatest du dann noch mal kurz???
AntwortenLöschenRichtig schöne Festtage für die ganze Hausgemeinschaft, wünscht:
Barbara.
Auch wenn es jetzt schon zu fast zu spät ist: ganz dicht an der Wand knarzen Holztreppen in der Regel am wenigsten ;-)
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