Samstag, 22. Dezember 2012

180°-Adventskalender-Türchen #22 von Toni




 

Der Haken an der Geschichte…

 

 

…mit dem hat alles angefangen. 


Aber von vorne. Bekanntermaßen lebe ich in der schönsten Stadt der Welt, in München. Und ich Glückskind wohne auch noch im besten aller Stadteile, in Neuhausen. Damit nicht genug, denn da auch noch in DEM Haus. Bei uns ist gestern übrigens nicht die Welt untergegangen. Was ist Bugarach?! Ha! Abgesehen davon dass es ein sehr schönes Haus ist, haben wir eine sensationelle Hausgemeinschaft. Ca. 10 Parteien allen Alters von 0 - 80, die sich wunderbar verstehen. 
Da wird selbstverständlich mit Butter, Reis, Tischen, Tellern, Backformen und Akkuschraubern ausgeholfen. Wir treffen uns regelmäßig in größeren und kleineren Runden auf ein Glas Wein oder zum Essen. Töpfe und Platten werden durch das Treppenhaus getragen, die Männer holen einen Kasten Bier vom Getränkehändler, die Mädels Wein aus dem Keller. Und am Ende landen wir dann meistens auf einen Absacker bei Nachbarin C. in der Küche. Und dann gibt es noch sie, DIE Hausmeisterin. Frau S. 

Frau S. ist so wie man sich eine Münchner Hausmeisterin vorstellt. Kennt jeden, weiß alles, putzt gefühlt jeden Tag das Treppenhaus, kümmert sich im Urlaub um die Pflanzen, beaufsichtigt Handwerker, nimmt Pakete an und ist nie um einen Ratsch verlegen. Und ihr entgeht nichts, aber auch G A R - N I C H T S. Da wird man durchaus mal harsch zurecht gewiesen, wenn das Fahrrad wegen einem Platten mehrere Tage unrepariert und damit unbewegt vor dem Haus steht oder man eine als unangemessen empfundene Menge Kartonagen in der Altpapiertonne entsorgt.

Seit über 50 Jahren ist sie jetzt schon in diesem Haus, man kann eigentlich sagen sie ist das Haus. Und den Winter mag sie gar nicht. Da ist nix los, die Leute huschen nur schnell durch’s Treppenhaus, im Vorgarten ist es zu kalt zum Ratschen und die Tage sind viel zu dunkel. Frau S. hat schlechte Laune. Wehe das Fahrrad…

Zurück zum Haken der Geschichte. Den gibt es neben jeder Wohnungstür, aber für das Anzeigen der Treppenreinigungszuständigkeit wird er ja nicht benötigt. Und so hängt zur Adventszeit an dem ein oder anderen eine Christbaumkugel, ein Strohstern oder ein Nikolaus. Bei einem Glas Bier fällt dann der Gedanke. Dieser Haken wäre doch ideal für einen Adventskalender! Und wer wäre prädestinierter für so einen Kalender als Frau S.?! Nur mitbekommen dürfte Sie natürlich nicht, wer ihr da täglich eine Kleinigkeit an den Haken hängt. Und so werden Nummern an die einzelnen Parteien verteilt, beratschlagt, was potenzieller Kalenderinhalt sein könnte und wann die beste Zeit ist, unbemerkt zu behängen.

Ich hab die Nummer 1, das einfachste Türchen, schließlich weiß Frau S. ja noch nichts von ihrem Glück. Trotzdem schleiche ich mit einem mulmigen Gefühl spät Abends in den dritten Stock, das Licht lasse ich vorsichtshalber aus verdammt bin ich laut! und halte die Luft an als ich das Päckchen an die vorgesehene Stelle hänge. Nummero 2 darf Herr Toni übernehmen…


An Tag 3 muss ich um 5 Uhr aus dem Haus. Wer schaut oben aus dem Küchenfenster des dritten Stocks? Genau! Nachbar C. berichtet, sie wartenderweise im unbeleuchteten Treppenhaus angetroffen zu haben. Wir entscheiden uns für ein Ablenkungsmanöver und nutzen gelegentlich den Briefkasten. Inzwischen kennen wir jede knarzenden Treppenstufe und Bodendiele im Haus und kalkulieren auch Gegenablenkungsmanöver von Frau S. mit ein. Nur weil das Licht in Ihrer Wohnung schon um 20 Uhr aus ist, wiegen wir uns nicht in Sicherheit! Vor 23 Uhr keine Kalenderaktion!  


Auf der Hausweihnachtsfeier beäugt sie misstrauisch einen nach dem anderen. Wer könnte der Adventskalenderverantwortliche sein? Nachbar G. und Herr Toni werden auf eine Zigarette nach draußen beordert. Wie Schulbuben folgen sie. Wir übrigen atmen erleichtert auf, dass es nicht uns erwischt hat und drücken die Daumen. Als Frau S. leicht glühweinbeschwippst die Feier verlässt, schauen wir alle gespannt. 

Und!? Tatsächlich, Frau S. hat verhört. „Da hängt jeden Tag a Packerl an meiner Tür!“ Nachbar G. reagiert souverän: „Bei mir war gestern auch eins!“ Herr Toni echauffiert sich: „ Bei mir war noch nie a Packerl!“ Die zwei erkunden sich interessiert nach den Inhalten und stellen Vermutungen an… „Ihre Familie vielleicht?“. Nein, da hätte sie sich schon erkundigt, die wären es nicht und sie wüssten auch nicht wer es wäre und selbst wenn sie es wüssten, sie würden nix verraten. Frau S. ist empört. Gut dass es an diesem Abend so kalt ist und schneit, so dauert die Zigarette nicht lange.

Seit dem 1. Dezember ist es jetzt gut gegangen, aber ich sag Euch, das ist eine Aktion für echte Adrenalinjunkies! Morgen darf ich wieder ran…

Ihr fragt Euch bestimmt, was wir in Türchen 24 füllen? Dafür wollen wir ein Foto von uns Kalenderwichteln in unserem Treppenhaus. An der Strategie arbeiten wir noch. 

Das Szenario
gleichzeitiges Betreten des Treppenhauses zu vereinbarter Uhrzeit z.B. 20:41:25, über das Geländer schauen, im Erdgeschoß die Kamera mit Selbstauslöser, Blitz!, 20:41:47 schweigende Rückkehr in die jeweiligen Wohnungen. Nachbarin C., erdgeschoßbewohnend nimmt die Kamera mit. Konspiratives Treffen kurze Zeit später. Gespannt laden wir das Foto auf den Rechner.

Moment! Wer schaut denn da oben im 3. Stock über das Geländer?!…


Kommentare:

  1. Eure Hausmeisterin scheint da ja eine echte Hausmeisterinnenpersönlichkeit zu sein. Allein die Tatsache, dass sie im dritten Stock thront und nicht gleich neben der Eingangstür.;-)

    Mal abgesehen davon, dass mir die Idee für einen solchen Adventskalender sehr gut gefällt. Mir gefällt auch das Treppenhaus und der Haken und die Türbeschläge.....eigentlich alles was man bisher vom Haus sehen konnte.

    Aber am besten aber gefällt mir eine Hausgemeinschaft, die sowas hinkriegt und offensichtlich auch noch Spaß dran hat!

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    1. Nerven, Matthias! Vorallem die Nerven dazu ;-)

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  2. MatthiaH hat ja schon mal wieder alles gesagt.

    Bleibt mir nur noch, dem ganzen Haus fröhliche Weihnachten zu wünschen!
    Und bitte das Foto noch nachreichen!

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    1. Danke, Sewwi! Das Gruppenfoto ist für heute geplant. Aber da wird nicht jeder unbedingt ins Netz gestellt werden wollen. Mal sehen ob's ne verwackelte Variante gibt...

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  3. Die schönsten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst. Hat mich sofort an meine Nachbarn erinnert und unsere gemeinsamen Abende vor dem Maisfeld. Allerdings haben wir keine Hausmeisterin, wir sind ja hier schon praktisch auf dem Land.

    Es grüßt aus dem Westen der Landeshauptstadt

    Martin

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  4. Da guckt keiner über das Geländer am dritten Stock! Ihr seht ja schon Gespenster.

    Aber so eine köstliche Idee, ob sie das aber unrechtmäßig platzierten Fahrrädern gegenüber gnädiger stimmen wird? oder eher ein "jetzt erst recht" provoziert?

    Ja, solche Hausgemeinschaften sind Gold wert, die Hausmeisterinnen sowieso.

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    1. Noch nicht, susa. Das Foto machen wir ja erst noch. Aber wir haben schon gewitzelt, dass wir's nicht schaffen werden, ohne dass sie auch mit drauf ist. In Sachen Fahrräder gibt es keine Gnade. Aber sie ist die letzte Zeit richtig gut gelaunt.

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  5. Wie schön....

    Lg Kathie Jo

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  6. eine richtige Pariser Concierge. Wo wohnt ihr noch ?

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  7. Wenn es jemand verdient hat, einen Adventskalender zu bekommen, dann die reizende Frau S. ;o)

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  8. Hach, hier wollt' ich doch noch was schreiben: So eine tolle Aktion! Und ich kann richtig schön mitfiebern, wenn du erzählst, wie du mit klopfendem Herzen durchs dunkle Treppenhaus schnilchst... Bin ja schwer gespannt, ob ihr die Sache bis zum Schluss im Geheimen durchziehen könnt. Updatest du dann noch mal kurz???

    Richtig schöne Festtage für die ganze Hausgemeinschaft, wünscht:

    Barbara.

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  9. Auch wenn es jetzt schon zu fast zu spät ist: ganz dicht an der Wand knarzen Holztreppen in der Regel am wenigsten ;-)

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